PRESSE

ramp SPACE 28.06.2026

Helge Jepsen, das muss man einfach mal sagen, ist ein absolut herausragender Illustrator.
Helge Jepsen arbeitet seit Jahrzehnten als selbstständiger Illustrator, hat sich dabei besonders in der Automobilwelt einen Namen gemacht. Auch in der Welt von ramp ist er ein gern gesehener Gast, illustrierte unter anderem Reisegeschichten und bereicherte viele Ausgaben ramp, rampstyle und rampclassics durch seine liebevollen und aufwendigen Zeichnungen.
Sein Stil? Klare Outlines, kontrollierte Farbflächen und ein wiederkehrendes Lichtkonzept, das seinen Arbeiten einen hohen Wiedererkennungswert verleiht.

KUNST AUS ESSEN 22.06.2026

PRÄZISION, ILLUSTRATION UND EINE KLARE HANDSCHRIFT
Helge Jepsen arbeitet seit Jahrzehnten als selbstständiger Illustrator und hat sich mit seiner unverwechselbaren Bildsprache einen festen Platz erarbeitet.
Seine Arbeiten zeichnen sich durch präzise Linienführung, konsequente Lichtsetzung und eine hohe Detailtiefe aus. Besonders seine Zeichnungen von Automobilen verbinden technische Genauigkeit mit ästhetischer Klarheit – reduziert, aber gleichzeitig ausdrucksstark.
Jepsens Stil folgt einer eigenen Logik: klare Outlines, kontrollierte Farbflächen und ein wiederkehrendes Lichtkonzept, das seinen Arbeiten eine starke visuelle Identität verleiht.
Zwischen Auftragsarbeiten für renommierte Medien und freien Projekten entsteht ein Werk, das Handwerk, Leidenschaft und konsequente Gestaltung vereint.
Seine Arbeiten laden dazu ein, genauer hinzusehen – und Bekanntes neu zu entdecken.

GESICHTER-RUHR 09.07.2025

„Sonne immer oben links.“
Hallo Helge. Schön, dass du da bist. Erzähl doch mal ein bisschen über dich.
Mein Name ist Helge Jepsen, Jahrgang 66, geboren in Flensburg und 1986 nach Essen gezogen. Ich habe Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration an der Uni GHS Essen studiert – im Diplom steht Gott sei Dank noch das heilige Wort „Folkwang“.
Ich habe das Glück gehabt, beim Studium von richtig guten Leuten umzingelt gewesen zu sein – 1986 haben unfassbar viele unfassbar gute Zeichner und Fotografen mit mir angefangen zu studieren. Der Austausch mit den Kommilitonen war fast wichtiger als das Studium selbst, auch von den Professoren habe ich viel mehr gelernt, wenn ich sie privat sprach, als wenn ich ihre Vorlesungen besucht habe.
Im dritten Semester habe ich während der Zeigung, einer Art Tag der offenen Türen an der Uni, meinen ersten Job bekommen. Es ging um T-Shirt-Designs für Esprit. Das war mein erstes, nicht mit Eis verkaufen oder Zeitungen verteilen, verdientes Geld. Seitdem bin ich selbstständig.
Siehst du dich eher als Dienstleister oder als Künstler?
Definitiv als Dienstleister! Auf keinen Fall als Künstler. Auch wenn Leute meinen, ich sei Künstler, sehe ich mich nicht so. Ich fange im Gegensatz zu einem Künstler erst an zu zeichnen, wenn das Honorar geklärt ist.
Was machst du genau?
Schwerpunkt ist bei mir immer das Zeichnen gewesen. Ich bin und bleibe die Abteilung „Buntstift“. Vor 14 Jahren habe ich das erste einer Reihe von Spielzeug- Büchern herausgebracht: Männerspielzeug. Da bin ich von einem eher cartoonigen Stil wieder zurück zum realistischen Zeichnen gekommen, was entsprechende Aufträge nach sich zog. 2016 gab es im TeNeues Verlag meine Bücher „99 automobile Klassiker und ihre Spitznamen“ und „99 automobile Rennklassiker und ihre Spitznamen“. Autos sind seit frühester Kindheit meine große Leidenschaft. Mittlerweile sind 80 Prozent meiner Jobs Autozeichnungen. Unter anderem bestücke ich wöchentlich die Rubrik Technik und Motor in der FAZ, da darf ich jede Woche ein aktuelles Testfahrzeug zeichnen, welches teilweise noch gar nicht auf dem Markt ist. Vielleicht zeichne ich deshalb privat auch am liebsten alte Autos, weil die Flut an oft nicht so hübschen Neuwagen irgendwie mit hübschem Altblech kompensiert werden.
Wie produzierst du deine Bilder? Digital oder ganz klassisch?
Bis vor fünf Jahren habe ich noch Bleistiftskizzen eingescannt und digital bearbeitet. Aber dieser Papierberg, der da entsteht – von der Skizze bis zum fertigen Bild – ist platzraubend, unnötig, nicht umweltschonend und schlicht auch arbeitsintensiver. Dann bin ich umgestiegen und habe die Zeichnungen inklusive der Skizzen ausschließlich digital am Grafiktablet erstellt. Wenn man in Photoshop zeichnet, hat man unzählige Möglichkeiten zu korrigieren, mit Farben zu spielen und so weiter, ohne jedes Mal komplett bei null neu anfangen zu müssen.
Du hast einen ganz eigenen Stil. Was macht den aus?
Mein Licht setze ich in meinen Zeichnungen immer nach oben links. Meine imaginäre Sonne quasi, sodass der gezeichnete Schlagschatten stets nach rechts geht. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich Rechtshänder bin und die Arbeitslampe beim Zeichnen immer links war. Man will ja den Schatten der Hand nicht auf dem Blatt haben. Das ist eine Kontinuierlichkeit, die sich auch durch alle Auto-Zeichnungen zieht. Ich habe immer eine schwarze Outline, die Lichtsituation ist immer die gleiche – das macht meines Wissens kein Auto-Fotograf. Mir macht das Lichtsetzen immer extrem Spaß, denn so haben alle Zeichnungen einen wiederkehrenden, erkennbaren Stil und passen in eine Sammlung – und ich sammle sehr gerne! Mittlerweile neben echtem Lego und echten Uhren nicht mehr echte Autos, sondern Zeichnungen davon. Ich muss die Autos gar nicht wirklich besitzen, ich habe nur noch das Ziel, alle Autos, die ich wirklich mag, irgendwann einmal gezeichnet zu haben.
Wenn du nicht Kommunikationsdesigner geworden wärst, was wäre sonst dein Traumjob gewesen?
Was ich sonst noch sehr gerne wäre, ist Reisejournalist, Uhrmacher oder Rennfahrer. Reisejournalist, weil ich sehr gerne reise und noch einiges von der Welt sehen möchte. Ich bin für das Hochglanz-Automagazin „ramp“ ein paarmal in der Weltgeschichte unterwegs gewesen – dreimal in den USA und einmal in Island. Ich habe von denen einen Leihwagen gestellt bekommen und durfte dann eine illustrierte Reisereportage machen. Also habe ich nebenbei diesen Traumjob auch ausüben dürfen. Und zu meiner Oldtimer-Veranstaltung „The Dukes Of Downtown“, die ich in Essen-Rüttenscheid regelmäßig organisiere, lasse ich neben dem üblichen Merchandising-Quatsch wie T-Shirts, Hoodies, Kappen, Rucksäcke, Tassen und so weiter auch immer eine von mir gestaltete mechanische Uhr herstellen. Das ist dann eine limitierte Auflage für diejenigen Teilnehmer, die wie ich sowohl auto- als auch uhrenverseucht sind. Also darf ich auch noch Uhrmacher spielen. Und bei meiner Oldtimerveranstaltung bin ich zwar kein Rennfahrer, habe aber immerhin zwei alte Sportwagen, die ich im Wechsel zügig auf den Landstraßen um Essen herumbewege.
Was ist das genau für eine Veranstaltung?
Die Dukes of Downtown sind entstanden, weil meinem guten Freund Phil Hinze, Betreiber der Zweibar in Rüttenscheid, und mir aufgefallen ist, dass die Dichte der Oldtimer in Essen ziemlich hoch ist. Wir hatten dann die tollkühne Idee, die alle mal zusammenzuführen – und das direkt in Rüttenscheid direkt vor der Zweibar. Der Begriff „Downtown“ für den Teil Rüttenscheids kam von Phil, die „Dukes“ von mir – in Anlehnung an die „Dukes Of Hazzard“, eine PS-lastige Serie aus den 70ern. Das war schon ein großes Ding, ein Stück der Rüttenscheider Straße sperren zu lassen! Wir haben Flyer drucken lassen und hinter die Scheibenwischer von Oldtimern geklemmt, wenn wir welche gesehen haben. Wir hatten keine Ahnung, ob auch nur ein einziger Besitzer reagieren und kommen würde.
Wann war dann die erste Veranstaltung?
Das war am zweiten Samstag im September 2009. Wir hatten einen Grillstand und einen Bierwagen vor der Zweibar aufgebaut. Und es hätte auch gut sein können, dass wir allein da stehen bleiben. Aber dann kamen zum Glück so an die 30 bis 40 Autos, das passte ziemlich genau auf das gesperrte Straßenstück. Viele Oldtimerbesitzer, die das vorher nicht mitbekommen hatten, haben direkt gesagt, dass sie beim nächsten Mal auch gerne dabei wären. Und dann ging es los, dass wir mit einem Mailverteiler gezielt eine geneigte Zielgruppe anschreiben konnten. Die Teilnehmergruppe wurde immer größer – zum Schluss hatten wir über 100 Autos dabei, mittlerweile machen wir aus Platzgründen bei 111 Autos Schluss.
Wer darf alles teilnehmen?
Teilnehmen darf eigentlich jeder, der ein cooles Auto hat. Und was cool ist, bestimmen Phil und ich. Es muss kein Oldtimer sein, aber es sollte schon ein besonderes Auto sein.
Was fährst du für ein Fahrzeug?
Mein „altes“ Fahrzeug ist ein mittlerweile 25-Jahre altes Z-3-Coupé von 1998, mein „richtig altes“ Auto ist ein Engländer von 1974, ein Reliant Scimitar GTE SE5A. Beides sind Shooting Brakes, also Zweitürer mit einer etwas größeren Ladefläche als für Sportwagen üblich. Eine Mischung aus Kombi und Sportwagen, die mir seit Ewigkeiten sehr gefällt. Beide habe ich selbstredend auch schon nur für mich gezeichnet.
Die Menschen hier und die Wohnung, in der ich seit fast 20 Jahren wohne. Mit dem Umzug in diese Wohnung und noch mehr mit dem Zusammenziehen mit meiner Frau ist das für mich das perfekte Zuhause geworden. Das könnte theoretisch auch ganz woanders sein, aber hier in Rüttenscheid ist es fast wie auf dem Dorf. Wenn ich durch die Straßen gehe, grüße ich alle paar Meter jemanden, den ich kenne. Es ist wie mein nordfriesisches Heimatstädtchen Bredstedt: Du gehst aus der Tür und triffst immer jemanden. Rüttenscheid ist halt auch nur ein Kiez, nur nicht so abgehoben wie teils in Berlin oder Hamburg. Dann mag ich natürlich die Offenheit der Menschen hier, der ganze Schlag Mensch ist irgendwie auch deswegen so sehr in Ordnung, weil er recht ehrlich und offen ist.
Wenn das Leben ein Comic wäre, welche Figur wärst du dann?
Eigentlich will oder wollte ich nie irgendein Comic- oder Film-Held sein. Naja, außer Winnetou vielleicht … Aber wenn ich mir eine Comicwelt aussuchen dürfte, in der ich als Helge Jepsen leben dürfte, dann wäre es die von Tim und Struppi, weil mich der Zeichner Hergé extrem geprägt hat. Die Autos, die Schiffe, die Städte, diese klare Linie, die er gezeichnet hat … schlussendlich erkennt man das in meinen Zeichnungen wahrscheinlich wieder. Ich habe ein bisschen mehr Licht und Schatten, generell mehr – manche sagen: zu viele – Details in meinen Arbeiten. Jede Zeichnung bekommt erst die Outline, dann die Farbe und der Moment, wenn Licht und Schatten noch nicht gesetzt sind, ist für mich die Tim-und-Struppi-Stufe. Da denke ich oft: „das kannst du eigentlich so lassen“, aber dann zeichne und fummle ich doch noch Ewigkeiten weiter. Im Grunde wäre aber die Tim-und-Struppi-Version auch schon schön und wäre sehr viel schneller fertig. Ich glaube, eine Sache, die man als Zeichner schnellstens lernen sollte, ist es, den Moment zu erkennen, wo etwas fertig ist. Nicht perfekt, aber fertig. Aber weil man nie – oder wirklich sehr sehr selten – zu 100 Prozent zufrieden ist, macht man ja immer neue Zeichnungen.

SCHWEIZERISCHE WEINZEITUNG 24.05.2020

100 TITELBILDER, EIN ILLUSTRATOR: HELGE JEPSEN
Die SCHWEIZERISCHE WEINZEITUNG feiert Jubiläum: Helge Jepsen, ein wunderbarer Illustrator, der seit 10 Jahren für das Cover verantwortlich zeichnet, ist mit seinen träumerisch-realen Bildern bei der Zahl 100 angelangt – eine einzigartige Sammlung. Wir zeigen nochmals alle 100 Titelbilder.
Die exakte Berufsbezeichnung des Illustrators Helge Jepsen ist Diplom-Kommunikationsdesigner, abgeschlossen an der Folkwangschule in Essen, einer Stadt, mit der er sich bis heute eng verbunden fühlt. Jepsen, 1966 in Flensburg geboren und in Nordfriesland aufgewachsen, lebt und arbeitet in einer ehemaligen Pillenfabrik (Sanostol) in Essen.
Das handwerkliche Arbeiten mit Stiften und Pinseln und Acrylfarben beherrscht er aus dem Effeff, nur ist das eine Kunst aus alten Tagen, vergangenen Zeiten, die gerne verklärt werden, die aber niemand wirklich zurückhaben will. Auch wenn Jepsen allererste Skizzen, Vorzeichnungen noch immer gerne mit dem Bleistift zu Papier bringt, wird die schwarze Outline, eines der Markenzeichen von Helge Jepsen, am digitalen Zeichenbrett gezogen, danach Schicht gearbeitet. Das heisst: mit vielen einzelnen Ebenen, Schicht um Schicht. Mit Schattierungen, Farben, Hintergründen, Ambiente. Was mit viel Liebe zum Detail verbunden ist. Alles im Photoshop – «ein herausragendes Programm auch zum Zeichnen», wie Helge Jepsen erläutert. Dank den einzelnen Ebenen, dem Verlauf, lässt sich leichter, auch schneller etwas verändern.
Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» beschrieb Jepsens Illustrationen als «träumerisch-reale Zeichnungen». Die FAZ gehört ebenso zu seinen Kunden – für den Bund «Technik und Motor» zeichnet er wöchentlich das getestete Auto – wie viele Zeitschriften, von «Playboy» über Spiegel» bis Men’s Health» und «Stern». Für «Ramp» hat Jepsen Titelbilder, Reisereportagen (USA, Island) oder auch mal die berühmtesten Felgen in der Porsche-History illustriert. Für Shell, Aral, Toyota, Rotkäppchen Sekt, IWC, Veltins und viele weitere bekannte Firmen hat er gearbeitet. Und zwischenzeitlich immer wieder wunderbare Bücher veröffentlicht, die, heissgeliebt von Leserinnen und Lesern, erst Bestseller, dann Longseller wurden. Mit Titeln wie «Männerspielzeug» («Eine beinahe vollständige Sammlung lebensnotwendiger Dinge») oder «Männerspielplätze» («Eine beinahe vollständige Sammlung aufregender Aufenthaltsorte und der dazugehörigen Ausstattung»). Je ein Buch widmete er zudem den Spitznamen von 99 automobilen Klassikern und 99 automobilen Rennklassikern.
An die 80 Prozent seiner Arbeitszeit schenkt Helge Jepsen den Automobilen. «Meine Illustrationen sind allerdings keine Konstruktionszeichnungen», ergänzt er. Vieles sei stimmig und werde von ihm illustrativ zum Stimmen gebracht. Dass Helge Jepsen Benzin im Blut hat, wird niemand bezweifeln, der ihn kennt. Er liebt Autos (erstens: fahren, zweitens: fahren, drittens: zeichnen). Zu seinen persönlichen Schätzen zählt ein Reliant Scimitar GTE SE5a mit «Ford Essex V6 3 Liter»-Motor und der Chassis- Nummer 93X5398, ganz in Weiss, Jahrgang 1975.
Die «Dukes of Downtown» in Essen sind mit sein Kind. Das jährliche Autotreffen, das Oldtimer aus der ganzen Welt und andere Fahrzeuge mit grossem «Coolness»- Faktor und Seltenheitswert vereint, findet Ende August 2020 zum zwölften Mal statt. Motto: «In Rust We Trust.» Illustration auf dem «Dukes of Downtown»-Plakat: ein Toyota Corona Mark II Wagon («kann ja nix für seinen Namen»).

ramp Juli 2014

Der Hahn. Die Schreibmaschine. Das Auto-Quartett. Wenn man sich auf eins bei Helge Jepsen verlassen kann, diesem Illustrator/Designer, der in keine Schublade passt, dann, dass das nächste Ding so ganz anders ist als das davor. Das mag gewollt sein, geplant oder gar Marktstrategie; vermutlich entspricht es aber einfach nur Jepsens Naturell. Ausgerechneteinen Hahn als Logo für eine ganz verrückte Autoveranstaltung zu zeichnen. Oder eine Typemaster-Schreibmaschine inklusive der leichten Rostschäden, nur weil sie ihn „in einem Schaufenster angelacht hatte“. Ein altmodisches Auto-Quartett als
Poster für eine Parade von Supersportwagen. Selbst Kakerlaken sehen cool aus, wenn Jepsen sie malt. Und einen profanen Kombi der amerikanischen Post verwandelt er in ein begehrenswertes Automobil.
Seinen Stil prägt eine ganz persönliche Mischung aus Retro-beeinflusster Reduktion und eigenwilliger Perspektive. Keine Diffamierung einer schnöden Verkehrsampel gegenüber einem Matra-Formel-1-Rennwagen
aus dem Jahr 1966. Seine ureigene Version eines archaischen Rennkalenders, der aus einer Trotzreaktion entsteht, nachdem ein Buchverlag seinen schon gezeichneten Ferrari 312 für zu alt befindet und sich ein neueres Modell wünscht.
Jepsens Illustrationen erscheinen in diversen Zeitschriften. Sein sehenswertes Buch „Männerspielzeug“ verkauft sich über 120 000 Mal. Und dann sind da noch seine seitenlangen Hommagen an Formel-1-Renner
oder an Floridas Touristen-Ruinen in besonderen Magazinen, Bilder aus einem lang verblassten Universum, die ein wenig an die Detailversessenheit eines Hergé erinnern, des brillanten belgischen Vaters von Tintin, der Autos in seine Graphic Novels zeichnete, die oft nur als Hintergrund dienten und dennoch bis in die winzigste Komponente eines Rückspiegels korrekt dargestellt waren.
Ach ja, die Autos
Sie sind seine älteste Leidenschaft, verrät der 48-jährige Essener und eigendefinierte Nostalgiker, aber auch gelegentlich Anlass zu Verdruss. „Sehr viele Neuwagen gibt es nicht, die mich begeistern“, klagt er über
die derzeitige Autolandschaft. „Old- und Youngtimer sind ja nicht nur deshalb schön, weil sie einen an früher erinnern, sondern weil sie besser auseinanderzuhalten sind!“
Er vermisst die Zeiten, in denen er als Kind Autos im Dunkeln allein an den Lampen erkennen konnte, und zeichnet sich lieber eine Welt voller Boliden, die noch Persönlichkeit
besaßen und nicht allein Hightech-Pragmatismus huldigten. Autos der neueren Zeit verblassen für ihn im Vergleich. „Meine jugendliche Begeisterung für neue Modelle wird durch immer einheitlichere Formen eingebremst“, bedauert Jepsen. „Fahrzeuge, die es von der atemberaubenden Studie auf die Straße schaffen,scheinen auszusterben – und leider schaffen es mittlerweile fast nur noch extrem hochpreisige und sportliche Autos, mir stehende Nackenhaare zu verpassen.“ Den Ferrari FF zum Beispiel findet Jepsen toll, nicht nur weil er eine ausgeprägte Macke für Shooting Brakes hat. Oder den Porsche 911, weil der eben ein Porsche ist. Überraschenderweise gefällt ihm aber auch der russische Gelände-Oldie Lada Niva („Auto pur und perfekte Form“).
Le Mans als Inspiration
Ansonsten bleibt Jepsen lieber bei den Alten als Vorbild für seine Zeichnungen. Dem Ford GT40 zum Beispiel, weil der Illustrator nach eigenen Angaben früher viel zu oft „Le Mans“ guckte. Aus dem gleichen Grund verwendet er übrigens auch den Porsche 917 so gerne als Modell. „Und den Range Rover Classic – als Zweitürer und in diesen unnachahmlichen Farben Blass-knallblau oder Dezent-quietsch-senfgelb. Meinem entsprechenden Corgi-Modell von 1972 heule ichheute noch hinterher.“
Das mit den Spielzeugautos hat seine eigene Geschichte. „Wenn ich als Kind früher zum Zahnarzt musste, gab’s danach immer ein Corgi-Auto, als Belohnung sozusagen“, erzählt Helge. Solche Arztbesuche legten
den Grundstein für eine ausgeprägte Sammlung im späteren Alter. Doch Jepsens grafische Autobegeisterung begann im Laufstall. „Man konnte mich mit Stift und Papier stundenlang beschäftigen – auch mit Zeitungen, bei denen ich halt die Bilder anschaute, quasi mein Vorläufer von Google“, erinnert er sich. „Man sagt, es seien auch schon Autos – also Schuhkartons mit so etwas Ähnlichem wie Kreisen darunter – auf
den Kritzel-Blättern erkennbar gewesen.“ Das nächste Automodell, das Jepsen dann erkennbar auf Papier zeichnete, war der Renault seines Vaters.
Danach ging’s zurück in die Zukunft. Kaum war Jepsens Studium abgeschlossen, machte er sich an seine eigene automobile Vergangenheitsbewältigung. In Anbetracht seines Hangs zu automobilistischer Nostalgie verwundert es kaum, dass er auch heute noch mit Bleistift und Papier vorarbeitet. Die Reinzeichnung erstellt er später zwar mit dem heute nicht mehr wegzudenkenden Photoshop, aber sonst bevorzugt
er die (mittlerweile digitale) Handarbeit. „Bis auf die Speichenräder.“ Die seien zu vermeiden. Der charismatische Diplom-Designer ist die sympathische Sorte von Plaudertasche, mit dem man ganze Abende in seinem Essener Lieblingscafé, der „Zweibar“ auf der Rüttenscheider Straße, verbringen könnte. Dann würde man natürlich auch erfahren, dass er ein Z3 Coupé sein Eigen nennt, einen „Turnschuh“, den eigenwilligsten und skurrilsten BMW der letzten Jahrzehnte, den selbst ein modernes Kind identifizieren könnte. Diese Meditation bringt uns zum zweiten Leben des ausgeprägten Individualisten, dem des Organisators von Deutschlands wohl ungewöhnlichstem Autotreffen, dem „Dukes of Downtown“. In der „Zweibar“, soJepsen, sei die Idee für die Versammlung von „coolen Karren ohne Baujahrsbeschränkung“ auf Essens Straßen entstanden. Wobei die exakte Definition der nötigen „Coolness“ allein bei Jepsen und seinem Freund und Mitorganisator Phil Hinze, dem Besitzer eben jenes Cafés, zu liegen scheint. Renault Twingos oder Opel Corsas, sagt Jepsen, bräuchten sich jedenfalls nicht um eine Teilnahme bewerben. „Wir bewunderten die flanierenden Kraftfahrzeuge auf der Rüttenscheider Straße“, erinnert er sich, mit deutlicher Betonung auf „Kraft“. Und aus dem gemurmelten „Die müsste man mal alle zusammentrommeln“ wurde dann schnell die Idee, das tatsächlich umzusetzen. Die erste, mehr oder minder improvisierte Veranstaltung kam so gut an, dass die Teilnehmerzahl von Jahr zu Jahr wuchs, seit 2012 muss bei 120 Fahrzeugen ein Riegel vorgeschoben werden. Am 13. September findet bereits die 6. Dukes of Downtown statt, mittlerweile ein fest im Essener Terminkalender verankertes Straßenfest mit viel Benzin- und Bratwurstgeruch. Der Höhepunkt der Veranstaltung sei dann immer traditionsgemäß ein Blowout, wenn genau um 18 Uhr alle Teilnehmer eine Minute lang im Stand Vollgas geben. „Das kannst du dann bis zum Hauptbahnhof hören!“ Am liebsten ohne Beifahrer.
Trotz der lautstarken Begeisterung für ausgefallene PS-Monster gibt es natürlich noch andere Faszinationsbereiche für den Designer: Lego-Bausteine! „Meine zweitälteste Leidenschaft. Ein Achillessehnenriss beim
Sport sorgte vor ein paar Jahren dafür, dass ich mich an meinen einzigen Krankenhausaufenthalt zuvor erinnerte – da war ich gerade sechs Jahre alt – und an das mir von meinem Papa ans Bett gebrachte Lego-
Set ‚Großer Lkw mit Schlepper und Raupe‘. Aus dem ursprünglichen ‚Das ersteigere ich mir jetzt noch einmal bei eBay!‘ wurde ein ‚Ich bin kurz davor, nahezu jeden Lego-Bausatz, der bis 1978 produziert wurde, mit Originalverpackung und Bauanleitung zu besitzen‘.“ Der bekennende Hasser öffentlicher Verkehrsmittel – dort gebe es ihm zu viele Beifahrer – bevorzugt den Freiraum der eigenen vier Räder. „Ich will die
Temperatur und die Luftzufuhr selbst bestimmen, gerne auch mal Scheiben runter im tiefsten Winter“, gibt er zu. Und Musik müsse sein, fährt er fort, solange diese nicht zugunsten eines „gänsehauterregenden Motorengeräuschs“ ausbleiben müsse. Natürlich schränke der zugegebenermaßen forsche Fahrstil das Jepsen’sche Sozialverhalten deutlich ein. „Wegen meiner Fahrweise fahre ich am liebsten ohne besetzten
Beifahrerstuhl.“ Auf der Nordschleife des Nürburgrings, um genau zu sein, auf der er neulich im „Turnschuh“ seine eigene (Porsche-)Bestzeit um mehrere Sekunden unterboten haben will.
Bleibt noch die Frage nach der Wahl des Hahnes als Logo für einen PS-protzenden Korso. Auch dafür hat Helge Jepsen eine nicht unbedingt rationale, aber immerhin nachvollziehbare Erklärung. „Ich mochte die Idee, für eine Autoveranstaltung kein Auto, sondern den Gockel zu zeichnen. Denn ehrlicherweise wollen alle Oldtimerbesitzer für ihre Autos bestaunt und bewundert werden!“

Helge Jepsen, Baujahr 1966, 200 000 km, Rechtslenker, fahrtauglich, Unfallschaden rechts unten (Achillessehnenriss, fachgerecht repariert), erster Lack (mit reichlich Patina), sehr seltener Koffeinantrieb, leicht getönte Scheiben (vier Dioptrien), circa 20 leicht austauschbare Hardtops, stößt blauen Rauch aus, läuft aber rund. Preis VS.

WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG 26.08.2010

UNVERKENNBARE HANDSCHRIFT IN ESSEN
Eigentlich hatte Helge Jepsen nie etwas anderes als Zeichnen im Kopf. Egal, ob für Playboy, Stern, Wirtschaftswoche oder seine Stammkneipe de Prins: Die Handschrift des 44-Jährigen ist unverkennbar.
Bei einigen Menschen wird der Lebensweg schon in frühester Kindheit vorgezeichnet. Das ist bei Illustrator Helge Jepsen wörtlich zu verstehen. „Schon als Dreijähriger war ich im Laufstall eigentlich nur mit zwei Dingen ruhig zu stellen - mit Stift und Papier oder mit einer Zeitung, wegen der vielen bunten Bilder“, sagt der 44-Jährige. Der Exil-Rüttenscheider kam vor über 20 Jahren als Nordlicht aus Flensburg zum Studium an die Folkwang-Hochschule nach Essen. Was im Ursprungsgedanken in einer eigenen Werbeagentur enden sollte, hat sich mittlerweile zum Traum jedes frei schaffenden Künstlers entwickelt. Jepsen entwarf T-Shirt-Designs in New York und zeichnete anschließend für Magazine wie den Stern, die Wirtschaftswoche und den Playboy. Mit der Veröffentlichung seines ersten Buches „Männerspielzeuge“ setzte er dem Ganzen im vergangenen Jahr die Krone auf.
Abgehobene Künstler-Attitüden sucht man trotz des Erfolgs bei Jepsen vergeblich. Kaffee- und Nikotinkonsum sind die einzigen Klischees, die der Illustrator nur zu gern erfüllt - am liebsten im De Prins. Für seine Stammkneipe am Isenbergplatz entwarf Jepsen neben dem Logo und der Speisekarte auch diverse Schilder, die perfekt zum Interieur des „Holländers“ passen. Die Handschrift von Helge Jepsen erkennt man sofort - vor allem die amerikanische Typographie der 50er- und 60er-Jahre hat es ihm angetan. Das wurde durch seinen insgesamt zwölfmonatigen Aufenthalt in New York noch verstärkt. Während seines Studiums hatte ihn ein T-Shirt-Designer entdeckt und in den Big Apple geschickt. „Dort hatte ich völlig freie Hand. Mich haben vor allem die Schilder und Firmenlogos in Amerika geprägt. Die Retroschriften beeinflussen mich bis heute“, sagt Jepsen.
„Ich assoziiere einfach permanent“
Woher er seine Inspiration nimmt, kann Jepsen gar nicht so genau sagen. „Ich assoziiere einfach permanent“, sagt er. Sein Anliegen sei, nicht immer das Naheliegendste zu zeichnen. Einen Geier als Symbol für eine Firmenpleite würde Jepsen niemals zu Papier bringen. „Bei meinen Aufträgen für die Wirtschaftswoche habe ich von den manchmal vier Faxseiten nur zwei Absätze verstanden. Mit wurde dann immer gesagt, ich würde komplexe Themen schön vereinfachen. Den Rest habe ich schlichtweg einfach nicht kapiert“, sagt Jepsen und lacht - wie so oft. Dasss ihm sein Job Spaß macht, merkt man dem 44-Jährigen an.
Deswegen bringt Jepsen mit „Frauenspielzeuge“ im Oktober auch sein nächstes Buch heraus. Wimpernzangen, Schuhe, das kleine Schwarze, Milchkaffee: Wie beim Vorgänger „Männerspielzeuge“ bedient sich Jepsen altbekannten Geschlechterklischees. Auch, wenn das Thema nicht neu ist: Es derart künstlerisch umgesetzt zu sehen, macht Spaß - nicht nur beim Lesen, sondern vor allem beim Durchblättern der detailverliebten Bilder. „Wenn ich könnte, würde ich nur Gegenstände und Autos zeichnen“, sagt Jepsen.
„Dukes of Downtown“ erobern die Rüttenscheider Straße
Zumindest für letzteres hat der motorenverliebte Zeichner am 11. September wieder die beste Gelegenheit. Dann wird die Rüttenscheider Straße für die Auto-Parade „Dukes of Downtown“ gesperrt, die Jepsen gemeinsam mit Zweibar-Inhaber Phil Hinze im vergangenen Jahr ins Leben rief. „Wir saßen einen Nachmittag auf der Rü und uns ist aufgefallen, wie viele schöne Autos hier lang fahren. Der Rest kam von selbst“, erklärt Jepsen die Geburtsstunde der „Dukes of Downtown“. Im vergangenen Jahr zeichnete er jedes teilnehmende Auto und verarbeitete die kleinen Kunstwerke anschließend zu einem Quartett. In diesem Jahr soll ein Sammelalbum erscheinen. Mitmachen kann nach Eigenwerbung übrigens jeder, „der ein geiles Auto fährt“ - das nicht zwangsläufig amerikanisch sein muss, wie Jepsen betont. Natürlich sei es zeitaufwändig, jedes Fahrzeug zu zeichnen. Jepsen sieht’s gelassen. Was andere als Arbeit ansehen, ist für in schließlich etwas anderes: Leidenschaft.